AUSSTELLUNG RAUM & IDENTITÄT
69 Künstler aus 12 Ländern · 20. September - 20. Oktober 2013 · c/ Fuencarral, 77 · Madrid

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aum und Identität sind zwei sehr weit gefaßte Konzepte von großer Tragweite. Der spanische Philosoph Xavier Zubiri (1898–1983) sagte einst, daß wir Grenzen auf zwei Weisen empfinden können: Entweder als Wunden oder als Chance für Begegnungen. Ähnlich verhält es sich mit der Identität, die auf vielerlei Arten verstanden werden kann. Identität oder besser gesagt Identitäten – bisweilen auch Gegenstand übelwollender Manipulationen – können wir im Schlechten nutzen, um uns gegenseitig zu verletzen und Unterschiede und Konflikte herbeizureden, oder sie zum Anlaß nehmen, um Miteinander, Zusammenleben oder Zusammenarbeit positiv zu gestalten.

Diese zweite Möglichkeit verteidigen wir mit dieser Ausstellung. Das Positive an Raum und Identiät wurde von den Künstlern und Künstlerinnen in ihren Werken anschaulich umgesetzt. Ermöglicht wurde ein Zusammentreffen und ein Dialog von Künstlern unterschiedlicher Generationen und Kulturen mit ganz verschiedenen Lebenserfahrungen und Stilen. Ihre Werke führen uns mitten hinein in die vielschichtigen Ausstellungsthemen “Raum“ und “Identität“.

Bei weitem geht es nicht allein um ein Zusammentreffen von Künstlern. Das wichtigste Motiv dieser Ausstellung ist die Begegnung der Künstler mit dem Publikum, den Kritikern und den Medien. Die Ladenpassage Fuencarral wurde in einem ungewöhnlichen und avantgardistischen Stil der 1950er Jahre erbaut. Die Glanzzeit der Passage ist längst vorüber. Aus verschiedenen Gründen wird gewärtig nur noch ein einziges Geschäft betrieben. Dank dieser Veranstaltung haben jetzt Künstler diese architektonisch so reizvollen Räume erobert, die die Passage bietet.

Ihre Werke verwandeln ein ehemaliges Einkaufszentrum in einen Ort für die Kunst und beleben diesen wichtigen Teil des Madrider Kulturerbes aufs Neue. Auf diese Weise verläßt die Kunst ihren angestammten Platz – die Museen und Galerien – um direkten Zugang zum Publikum zu finden. Die gezeigten Werke beschäftigen sich mit den Themen Raum und Identität, entweder ausgehend von der inneren Befindlichkeit ihrer Schöpfer oder von ihrer Haltung gegenüber dem, was in der Welt geschieht.

Einige Werke werden Ihnen, liebe Besucherinnen und Besucher, mehr sagen als andere, aber sicher wird niemand gleichgültig bleiben. Kunst muß man nicht unbedingt verstehen, sondern kann sie auch fühlen. Die ausgestellten Werke sind keine Dekorationsstücke. Man sollte sich deshalb genug Zeit nehmen, sie zu betrachten und mit ihnen in einen inneren Dialog zu treten. Die Kunstwerke werden nicht stumm bleiben, und je nach eigener Verfassung des Betrachters werden sie ganz unterschiedliche Dinge „sagen“.

Reinhard Silberberg Botschafter der Bundesrepublik Deutschland

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